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Was gehört in einen Notfallordner? Die komplette Checkliste

Aktualisiert am 20. Juli 2026

In einen Notfallordner gehören alle Angaben, die deine Angehörigen brauchen, wenn du plötzlich ausfällst: die wichtigsten Kontakte, persönliche Dokumente, Patientenverfügung und Vorsorgeauftrag, eine Übersicht über Konten, Versicherungen, Verträge und digitale Zugänge sowie deine Wünsche für den Ernstfall. Es geht nicht darum, jedes Papier abzulegen. Es geht darum, dass jemand anderes deine Angelegenheiten weiterführen kann, ohne suchen und raten zu müssen. Dieser Artikel zeigt dir die zehn Bereiche eines vollständigen Notfallordners, mit einer Checkliste zum Abhaken.

Warum ein Notfallordner Angehörige entlastet

Ein Notfall trifft selten mit Vorwarnung. Nach einem Unfall, bei einer plötzlichen Erkrankung oder im Todesfall stehen Angehörige innert Stunden vor sehr praktischen Fragen. Wen müssen wir informieren? Gibt es eine Patientenverfügung? Welche Rechnungen laufen weiter, welche Verträge müssen gekündigt werden?

Ohne Notfallordner beginnt dann eine Suche zur schlimmstmöglichen Zeit. Angehörige wühlen durch Schubladen, erraten Zuständigkeiten und verpassen im schlimmsten Fall Fristen, etwa bei Versicherungsmeldungen oder Vertragskündigungen. Ein Ordner ersetzt dieses Suchen durch Nachschlagen: ein Ort, an dem alles Wichtige steht.

Der zweite Nutzen betrifft dich selbst. Wer einen Notfallordner erstellt, merkt schnell, wo Lücken sind: eine fehlende Patientenverfügung, ein nie geregelter Vorsorgeauftrag, ein Konto, von dem niemand weiss. Wie du diese Lücken Schritt für Schritt schliesst, zeigt dir unser Ratgeber zum Vorsorgedossier für die Schweiz.

Was gehört in einen Notfallordner? Die 10 Bereiche

Ein vollständiger Notfallordner deckt zehn Lebensbereiche ab. Die Tabelle zeigt, was in jeden Bereich gehört. Nicht jeder Punkt trifft auf dich zu: Wer zur Miete wohnt, braucht keinen Grundbuchauszug.

BereichWas hineingehört
Menschen, die zählenNotfallkontakte mit Telefonnummern: Familie, Vertrauenspersonen, Hausärztin, Arbeitgeber
Persönliches & DokumenteAusweise, AHV-Nummer, Zivilstandsdokumente, Aufbewahrungsorte der Originale
Gesundheit & VerfügungenPatientenverfügung, Vorsorgeauftrag, Medikamente, Allergien, Krankenkasse, Haltung zur Organspende
FinanzenBanken und Konten, Vollmachten, Pensionskasse, Säule 3a, laufende Zahlungen, Schulden
VersicherungenAlle Policen mit Nummern: Krankenkasse, Haftpflicht, Hausrat, Lebensversicherung
Wohnen & EigentumMietvertrag und Vermieterkontakt, bei Eigentum Grundbuchauszug und Hypothek, Schlüsselstandorte
Verträge & AbosHandy, Internet, Streaming, Zeitungen, Mitgliedschaften, jeweils mit Kündigungshinweisen
Digitales LebenGeräte, wichtigste Online-Konten, E-Mail, Hinweis auf den Passwort-Manager, Wünsche zu Profilen
Wünsche & WorteBestattungswünsche, persönliche Botschaften, Hinweis auf das Testament
SonstigesHaustiere, Vereinsämter, Wertsachen, alles, was sonst nirgends passt

Zwei Dokumente in diesem Ordner haben Formvorschriften. Die Patientenverfügung muss schriftlich verfasst, datiert und unterschrieben sein. Details findest du auf ch.ch. Der Vorsorgeauftrag muss vollständig von Hand geschrieben, datiert und unterschrieben oder öffentlich beurkundet sein, sonst ist er ungültig. Pro Senectute erklärt die Anforderungen. Fehlt ein Vorsorgeauftrag, entscheidet bei Urteilsunfähigkeit unter Umständen die KESB, wer dich vertritt. Ein Notfallordner ersetzt keine notarielle Beratung. Er sorgt aber dafür, dass diese Dokumente im Ernstfall gefunden werden.

Die zehn Bereiche entsprechen übrigens dem geführten Interview von beizeiten: Du beantwortest Fragen Bereich für Bereich und erhältst am Ende ein druckbares Dossier für deine Angehörigen.

Die Checkliste zum Abhaken

Wenn du diese Punkte abhaken kannst, ist dein Notfallordner komplett:

Wichtig: Passwörter und PIN-Codes gehören nicht im Klartext in einen Ordner, der zuhause im Regal steht. Halte stattdessen fest, wo deine Zugänge geregelt sind. Wie das konkret geht, zeigt der Ratgeber Passwörter für den Notfall hinterlegen. Was sonst zu deinem digitalen Erbe gehört, liest du im Ratgeber zum digitalen Nachlass in der Schweiz.

Papier, PDF oder digital: die drei Wege ehrlich verglichen

Für die Form deines Notfallordners gibt es drei Wege. Jeder hat echte Nachteile, die du kennen solltest.

WegStärkenSchwächen
PapierordnerSofort greifbar, kein Gerät nötig, funktioniert immerVeraltet schnell, liegt offen im Regal, Änderungen sind mühsam
Eigenes PDF oder Word-DokumentGratis, flexibel, einfach zu kopierenKeine Struktur vorgegeben, wichtige Punkte gehen vergessen, in der Cloud stellt sich die Datenschutzfrage
Digitaler NotfallordnerGeführte Struktur erinnert an alle Bereiche, einfach aktuell zu haltenNur so vertrauenswürdig wie die Datenablage: Prüfe, wo deine Angaben gespeichert werden

In der Praxis bewährt sich die Kombination: digital pflegen, gedruckt ablegen. So bleibt der Inhalt aktuell, und im Notfall liegt trotzdem ein Papierdossier bereit. Genau so arbeitet beizeiten: Deine Einträge bleiben lokal im Browser deines Geräts, kein Server sieht deine Daten, und am Ende druckst du das Dossier aus. Ob du lieber alles selbst zusammenstellst oder auf eine geführte Lösung setzt, wägt unser Vergleich Notfallordner selber machen oder kaufen ab.

Aufbewahrung und jährliches Aktualisieren

Wo der Ordner liegen sollte

Ein Notfallordner nützt nur, wenn er gefunden wird. Bewahre ihn zuhause an einem festen Ort auf und sage mindestens zwei Personen, wo er liegt. Ein Bankschliessfach ist ungeeignet, weil Angehörige im Ernstfall oft nicht schnell genug herankommen. Sensible Originale müssen nicht zwingend in den Ordner. Das Testament etwa kannst du bei einer amtlichen Stelle hinterlegen lassen. Welche Stelle zuständig ist, hängt vom Kanton ab. Im Ordner genügt der Hinweis auf den Aufbewahrungsort. Von der Patientenverfügung gehört eine Kopie zusätzlich zur Hausärztin, und ein Hinweis darauf ins Portemonnaie.

Einmal im Jahr aktualisieren

Ein veralteter Ordner kann mehr verwirren als helfen: alte Telefonnummern, aufgelöste Konten, gekündigte Versicherungen. Setze dir deshalb einen festen Jahrestermin, etwa den Geburtstag oder den Jahreswechsel, und geh alle Bereiche einmal durch. Meist dauert das keine Stunde.

Zusätzlich lohnt sich ein Blick in den Ordner nach grossen Lebensereignissen:

So bleibt dein Notfallordner das, was er sein soll: eine verlässliche Antwort für den Tag, an dem deine Angehörigen sie brauchen.

Kurz gefragt

Wie lange dauert es, einen Notfallordner zu erstellen?

Das Grundgerüst schaffst du an einem Nachmittag. Plane zwei bis drei Stunden für die wichtigsten Bereiche wie Kontakte, Gesundheit und Finanzen. Den Rest ergänzt du danach laufend, sobald dir etwas einfällt oder ein Dokument auftaucht.

Ab welchem Alter braucht man einen Notfallordner?

Sinnvoll ist er ab dem Erwachsenenalter, spätestens mit eigener Wohnung, Partnerschaft oder Kindern. Urteilsunfähigkeit durch Unfall oder Krankheit kann in jedem Alter eintreten. Je früher die Grundlagen stehen, desto einfacher bleibt das jährliche Nachführen.

Ist ein Notfallordner rechtlich verbindlich?

Der Ordner selbst nicht. Verbindlich sind einzelne Dokumente darin, wenn sie die Formvorschriften erfüllen: Patientenverfügung, Vorsorgeauftrag und Testament. Der Ordner sorgt dafür, dass diese Dokumente gefunden und deine übrigen Angaben verstanden werden. Bei komplexen Verhältnissen hilft eine notarielle Beratung.

Wie regle ich Passwörter für den Notfall?

Nutze einen Passwort-Manager und richte dort, falls vorhanden, einen Notfallzugriff für eine Vertrauensperson ein. Im Notfallordner hältst du nur fest, welchen Manager du nutzt und wer Zugriff erhält. So bleiben deine Konten geschützt, und Angehörige kommen trotzdem heran.